«Hör auf mich vollzustopfen!»

Dasmaßistvoll

Dieser Tage dachte sich mein Körper wohl das ein oder andere Mal, dass ich sie nicht mehr ganz habe. Es gab Essen in Hülle und Fülle, ja geradezu schlaraffenländische Völlerei war angesagt. Kaum war das eine Mahl beendet, ging es mit dem nächsten weiter.

Nun ist es nicht so, dass ich mir diese Verhältnisse ausgesucht hätte. Sie kamen schleichend. Am Anfang der letzten zwei Wochen Urlaub war noch alles normal. Ich aß, wenn ich (wirklich) Hunger hatte und hörte auf, wenn ich satt war, und nicht etwa voll. Soweit so gut.

Aber je länger ich in der Phase der sich abwechselnden Imbissbuden und Restaurants verblieb, desto mehr konnte ich essen und mich teilweise über die Sättigung hinwegsetzen. Ich konnte auch essen, wenn ich keinen Hunger hatte. Es war auch so lecker…

Zusammenfassend: Ich hatte mich scheinbar nicht mehr im Griff.

Und nach dem Urlaub?

Tja, da habe ich mir leise Vorwürfe gemacht. Dass ich mich nicht beherrscht habe. Dass ich meinen Körper erneut nicht angehört habe. Dass ich meinen Körper mit essen gequält habe.

Kommt es bekannt vor?

Die Folge war, dass ich eine zeitlang nach dem Urlaub einige kleine Fressanfälle hatte. Mist.

Ich vermutete, dass ich aus dem Dilemma nur wieder herauskomme, wenn ich mal wieder gut zu mir selber sprach. Das klingt etwas seltsam, ich weiß.. aber es hatte einige Male vorher sehr gut funktioniert.

Und das ging so:
Für mich hat sich erwiesen, dass Essen nun einmal so viel mehr ist als nur Nahrungsaufnahme. Ich tröste mich mit Essen, ich beschäftige mich mit Essen und ich beruhige mich mit Essen und ich belohne mich mit Essen. Ja ja… laut intuitivem Essen soll man das ja nicht tun… Moment mal… stimmt das denn?

Wenn man es genauer betrachtet – und das wird im Buch auch beschrieben -, dann heißt es nicht:

«Du sollst nur beim echten wirklichen Hungergefühl essen!» oder «Du sollst niemals aus emotionalen Gründen essen!»

Im ersten Moment klingt das wie ein riesiger Widerspruch zu dem, was ich in meinen vorherigen Einträgen beschrieben habe. Aber ich meine: Nein.

Warum nicht?

Weil diese Anweisungen lediglich Richtlinien sind und keine Gebote oder gar Verbote.

Denn dies wäre wieder kein Zurücktreten von der „Diätmentalität“, wie es im Buch bezeichnet wird.

Wie meine ich das jetzt genau?

Ich habe mir insgeheim für meinen Urlaub das Ziel gesetzt, immer nach Vorschrift (Hungergefühl beachten, Sättigung beachten) zu essen. Ich habe mich unter Druck gesetzt. Und am Ende habe ich die Regeln gebrochen. Und das musste passieren. Ich… mein Körper hat rebelliert gegen dieses selbst gesetzte Gebot. Und dann habe ich mich schuldig gefühlt und mir eingeredet, dass ich versagt habe und Angst gehabt, dass ich nun nicht mehr zum intuitiven Essen zurückfinden werde, was mich in eine Abwärtsspirale brachte und mich zum essenverschlingenden Jennymonster machte.

HALT!!!

Die gute Nachricht: Ich habe inzwischen zum intuitiven Essen zurückgefunden. Ich habe mich wieder entspannt. Mir selbst gesagt, dass ich mich nicht zwingen muss, intuitiv zu essen. Es muss von selbst kommen und unbeschwert. Ansonsten wird es nur zu einer weiteren Diät so wie jede andere und mit Diäten sollte ja Schluss gemacht werden. Zusätzlich habe ich mir „verziehen“, dass ich mich eine zeitlang nicht körpergerecht ernährt habe. Aber ich habe mich auch verteidigt: Es war Urlaub! Es ist ja wirklich eine Unverschämtheit, wenn man sich da mal gehen lässt… tsts
Ich denke, mein Körper ist stark, der hat das ausgehalten, eventuell brauchte er diese Phase auch, damit ich den Unterschied zwischen Völlegefühl und Sättigungsgefühl wieder erfahre.

Jedenfalls geht es jetzt wieder normal weiter. Entspannt. Vielleicht noch entspannter als vorher. Mir ist nun wieder oder besser gesagt noch klarer, dass die Psyche eine enormen Einfluss auf mein Essverhalten hat. Deswegen gebe ich mir die Erlaubnis, mich auch über den Hunger und die Sättigung hinwegzusetzen, wenn es mich danach verlangt.

Sich in ein Kleid zu quetschen, dass einem offensichtlich (noch) nicht passt ist unangenehm und solange man nicht bereit dafür ist und es sich nicht von allein und ohne Anstrengung überstreifen lässt sollte man nicht drücken und pressen, sodass überall und an allen Ecken und Enden etwas herausquillt.

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Ein Gedanke zu “«Hör auf mich vollzustopfen!»

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