Intuitiv Essen • Teil 4: Satt und zufrieden

~ Ich bin so satt, ich mag kein Blatt … ~

Ja kennen wir das denn nicht alle? Wir haben eine große Portion Spaghetti mit Tomatensoße, Käse und nochmal extra Käse verspeist und es war so lecker, dass wir nicht nur einen Teller, nein, gleich zwei Teller gegessen haben. Nun ist es soweit: Die Schmerzgrenze ist erreicht. Ja, was sag ich denn: Überschritten ist sie. Zweimal überschritten sogar.
Nun bläht sich der Bauch und spannt und zwickt und brummelt und drückt. Wir werden träge, uns wird schlecht und wir bekommen ein schlechtes Gewissen und sagen uns, dass wir das nie wieder tun werden und ab morgen weniger essen.
Ja. Ist klar.

Die Beachtung des eigenen Sättigungsgefühls ist im Zusammenhang mit dem intuitiven Essen genauso wichtig wie das Erspüren des körperlichen Hungerzustandes. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Dabei gibt es wieder zwei Grenzen zu beachten. Beim Hunger haben wir gelernt: Es gibt den emotionalen Hunger, der meist psychisch hervorgerufen wird und den physischen, den körperlichen Hunger.

Bei der Sättigung ist es ähnlich. Es gibt die körperliche Sättigungsgrenze, die erreicht ist, wenn man sich angenehm und zufrieden fühlt und es gibt die andere Grenze, die sich bedingt durch z.B. den emotionalen Hunger scheinbar bis zu einer Unendlichkeit ausdehnen lässt.
Man kann viel mehr Stufen von Sattheit erreichen, als die von Hunger. Bei einem starken Hungergefühl zwingt uns der Körper quasi automatisch, uns auf etwas Essbares zu stürzen. Disziplin oder Konsequenz halten dabei nur einen kurzen Zeitraum lang an.
Aber satt kann man schon sein, wenn man den halben Teller aufgegessen hat, oder wenn einem das Essen nicht schmeckt, dann schon ab dem zweiten Löffel, oder wenn ein Ereignis uns – Achtung Wortspiel – auf den Magen geschlagen hat oder aber auch, wenn wir einen Teller irgendwas, zwei Teller irgendwas, ein Schokoeis und Kekse gegessen haben usw. Man spricht dann zwar von Völlerei und Disziplinlosigkeit, aber in Wirklichkeit ist es eine unglaublich disziplinierte Leistung des Körpers, dass er nicht alles gleich wieder herauskatapultiert, weil es für ihn zu schwer ist und es ihn manchmal auch an die Grenzen bringt, alles in kurzer Zeit zu verdauen.

Heißt also: Nach oben ist viel Luft.
Aber auch: Nicht für immer und ewig!

Unser Körper ist vermutlich nicht darauf ausgerichtet, solche riesigen Mengen an Lebensmitteln zu verdauen. Er kennt diese Massenware Essen erst seit einer viel zu kurzen Zeitspanne. Davor war es nötig, soviel wie möglich von dem wenigen Gefundenen zu verdauen und zu verwerten, damit es bloß nicht verloren geht. Wer weiß, wo man mal wieder so etwas Leckeres, Nahrhaftes herbekommt. Das heißt aber auch, dass die Mengen die wir nun essen können, uns krank machen können und uns auch generell nicht gut tun.

Und wozu essen wir eigentlich diese Massen? Warum können wir nicht einfach schnipsen und sagen:

Ab heute esse ich nur noch soviel wie mein Körper braucht.

Und dies eröffnet eine grundsätzliche Problematik, bei der es um den Umgang mit unserem Körper an sich geht.
Ich bin in meinen momentanen Recherchen soweit zu antworten: Weil wir bisher kein wirkliches Gespräch mit unserem Körper geführt haben. Würden wir das schon immer tun, dann hätten wir in jenen Momenten gleich mehrere gute Gründe dafür, nicht weiter zu essen. Deshalb können wir zumindest anfangs nicht genau wissen, was er eigentlich genau braucht.

Das Problem ist, dass wir der inneren Stimme, der Stimme unseres Körpers nicht auf Augenhöhe begegnen.

Wir behandeln unseren Körper „von oben herab“.
Wir geben Befehle. Wir ignorieren das Bitten und Flehen. Dies solange, bis der Körper – oh Wunder! – schließlich (Sitz-)streikt. Und das Schlimme ist: Wir sind selbst Schuld. Wir behandeln unseren Körper zuweilen wie ein quängelndes Kind, das uns auf die Nerven geht, ein anderes Mal wie einen Hund, dem man einen einzigen Knochen hinwirft, manchmal behandeln wir ihn sogar so, als wären „wir“ – und damit meine ich den bewussten Teil unseres Selbstbildes – ein König oder (damit der Geschlechtergleichheit Genüge getan ist) eine Königin.

Mit anderen Worten: Wir behandeln uns unangemessen, ja nahezu schlecht. Im Innen sowie im Außen. Und deshalb können wir manchmal nicht aufhören zu essen. Weil das Plärren und Jammern des Körpers, der längst sagt: „Hör auf!“ abgetan werden mit: „Ach nur noch die paar Krümel.“ oder „Die anderen (mit Anwesenden) sind bestimmt sauer, wenn ich den Teller nicht leere/dieses Stück Torte nicht esse, die jemand für mich gebacken hat/dieses versalzene Popcorn nicht aufesse, weil es Geld gekostet hat usw.“

Und nun kommt es! Wenn man aufhören will, sich schlecht zu behandeln und zuviel zu essen muss man eines lernen:

Grenzen setzen.
Im eigenen Kopf.
Gegenüber dem Außen.
Und das ist schwer.

Nichts wird so sehr helfen wie eine klare Grenze, ein klares Nein zum Weiteressen zum Beispiel. Immer sanft natürlich. Ohne Druck auszuüben. Man muss sich stets bewusst machen:
Es gibt keinen Grund, weiter zu essen.
Man kann es morgen aufessen.
Man kann es den Tag danach aufessen.
Man kann es manchmal sogar erst in einem Jahr aufessen (je nach Haltbarkeit versteht sich).
Es ist nicht verloren. Wenn wir es nicht essen, essen es andere Lebewesen (Der Spruch hilft mir immer ganz besonders, wenn ich schwach zu werden drohe). Denen muss man auch mal was gönnen können! (Die armen kleinen Insekten leiden auch Hunger)…

Wir müssen uns abschirmen von der „Die armen Kinder in Afrika haben nichts zu essen, deshalb iss deinen Teller leer“-Mentalität!

Die Denk- und Vorgehensweise sollte also eine ganz andere werden.
Ich selbst prüfe vor, während und nach der Mahlzeit, wie satt ich bin. Leise natürlich. Wär ja auch seltsam, wenn ich im Restaurant ständig laut fragen würde: „Na Körperchen, biste schon satt oder was?!“
Dieses Abfragen der eigenen Sattheitsskala/-kurve (wie auch immer geartet) klingt zwar anstrengend, ist es aber garnicht. Wenn man erst einmal damit anfängt, sich näher mit der Thematik Achtsamkeit zu befassen – und zu diesem Thema gehört auch der Unterpunkt „Genuss beim Essen“ – fühlt es sich an, als würde nach und nach eine innere Quelle von Dreck und Schlamm befreit und diese kann nun wieder ganz klar und kräftig sprudeln. Ein befreiender Gedanke oder etwa nicht? Ich finde schon.

Fragen wir uns also bei der nächsten Mahlzeit direkt selbst:

„Bin ich schon satt?“

Wenn ja, dann aufhören. Man kann ja jederzeit wieder essen, ist doch garnicht schlimm. Und selbst wenn man erst drei Bissen gegessen hat, auch nicht schlimm. Vielleicht hat man keine Lust auf das Gegessene und isst lieber etwas, worauf man wirklich Appetit hat.

Alles in Allem sage ich:
Sei gut zu dir! Achte auf das, was dein Körper dir sagt, denn der hat ein wirklich berechtigtes Interesse daran, dass es dir gut geht. Wenn es dir nicht gut geht, leidet er gleich doppelt mit. Er befürchtet, nicht zu überleben, wenn er dir nichts mehr sagen kann oder du nicht auf ihn hörst. Leider klingt das für Neueinsteiger seltsam und ein wenig esoterisch.
Aber ich denke, wir sind nicht nur von Schräubchen und Rädchen angetriebene Maschinen, die auf ihr Denken und Fühlen selbst nicht eingehen können. Ich hoffe sogar, dass wir mehr als das sind, dass wir eine gewisse Tiefe besitzen und im Leben nicht alles sofort erklärbar und schlüssig ist und auch nicht sein muss.

Warum das intuitive Essen funktioniert wird jeder selbst herausfinden müssen. Dass es funktioniert spüre ich jeden Tag wieder. Und deshalb erkläre ich euch gern, wie es für mich funktioniert.

Schreibt mir doch gern eure Erfahrungen in die Kommentare, würde mich interessieren, wer meinen Blog liest und auch vielleicht schon ein Erfolgserlebnis mit dem intuitiven Essen hatte.

Ansonsten sage ich: Bis zum nächsten Mal!

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7 Gedanken zu “Intuitiv Essen • Teil 4: Satt und zufrieden

  1. Die Konzentration behalten beim essen und immer wieder nachfragen ob es schon reicht finde ich das allerallerschwierigste.
    Wenn ich da weiterkäme….
    Habe schon die Schüsselchenvariante ausprobiert, damit ich wenigstens nach jeder Schüssel VOR dem nachschöpfen nochmal nachdenke, aber so richtig gut läuf es nicht.

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    • Ich würde dir raten nicht immer wieder nachzunehmen.In kleinen Portionen zu Essen und dann nachzuschlagen ist zunächst mal ein Diättip aus der Brigitte und funktioniert nicht bei allen Menschen. Viel besser ist es nach der ersten kleinen Portion (auf dem Teller ist eine normale Portion gewesen) einen Stop zu machen und 5 bis 10 Minuten zu warten ob du satt bist. Wenn du nur kleine Portionen in Schüsseln auftischst dann kann es sein dass sich die Stimme der Entbehrung meldet und sagt: Oh nein da ist so wenig in der Schüssel, iss lieber alles auf sonst gibt es heute vielleicht nichts mehr. Das ist sozusagen ein urzeitlicher Trieb und nur schwer bis gar nicht zu überwinden. Also schön entspannt und langsam in Ruhe essen und in dich hineinfühlen. Irgendwann wirst du dann wie von selbst merken wann du satt bist.
      Viel Erfolg

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  2. Hallo,
    ich weißt nicht, ob du auf deinem Blog hier noch aktiv bist, aber hab ihn gerade erst gefunden. Hunger und Sättigung zu identifizieren ist für mich besonders schwierig. Ich habe das vor Weihnachten einmal ausprobiert und dabei festgestellt, dass ich eig nur zweimal am Tag wirklich Hunger hatte. Das schwierige ist für mich irgendwie, dass sich in meinem Kopf ziemlich, ziemlich häufig die Gedanken um das Essen drehen und obwohl ich eig mit einer Portion fertig bin, weiter essen kann, so wirklich satt bin ich nie. Es ist ziemlich anstrengend dagegen anzukämpfen und irgendwie komme ich damit nicht weiter, weil ich nicht dauernd dagegen kämpfen kann, dass habe ich schon ziemlich oft versucht und letztenendes doch immer wieder „verloren“. Hättest du einen Tipp, für eine Mentaleübung, oder sonst irgendwas, die mich in dem Moment ablenkt, dass ich keinen wirklichen Hunger in diesen Momenten habe weiß ich, dass bringt mich allerdings nicht so wirklich weiter…Ich hoffe ich konnte es einigermaßen rausstellen und du verstehst so ein bisschen, was ich meine…

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    • Hallo liebe Lena,
      um deine Frage richtig beantworten zu können, muss ich fragen, wie lange du intuitives Essen schon machst? Leider ist es nämlich ein sehr langwieriger Prozess, Hunger und Sättigung tatsächlich wieder zu spüren, vor allem wenn man aus einer langen Diätenphase kommt. Man muss es langsam und entspannt angehen, das ist das wichtigste. Ohne eine ordentliche Portion Gelassenheit ergibt sich die Gefahr, dass man panisch nach Lösungen sucht, obwohl man einfach nur ein bisschen mehr Zeit zum üben braucht. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, muss die Devise lauten. Auch ich habe anfangs in Gedanken immer wieder ums Essen gekreist und selbst heute passiert das noch ab und zu.
      Was aber auf jeden Fall hilft sind Achtsamkeitstraining, Meditation oder ein Hobby, das einen voll und ganz fasziniert und somit das Essen von der Priorität mehr in eine natürliche Position gerät und nicht mehr im Mittelpunkt steht, quasi nur zwischendurch abgecheckt wird: Hunger ja? Hunger nein? etc.
      Damit erreicht man im Endeffekt eine bessere Lebensqualität, als sich immer nach seinem Gelüsten richten zu müssen. Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
      Liebe Grüße
      Jenny

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      • Also ich bin gerade noch in den Anfängen. Hunger ja/ nein kann ich unterscheiden…ich weiß nur nicht was ich meine Gelüsten entgegen setzen soll. Ich weiß beim Essen wann ich satt bin, aber ich habe dann Lust weiterzuessen und dann schaff ich das nicht zu unterbinden.

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      • Hallo,
        bei bloßem Appetit hilft: Ablenken, einen starken Motivator ins Gedächtnis rufen, sich verinnerlichen warum man intuitiv isst (bei mir ist es, dass ich meinem Körper nicht schaden, sondern ihm etwas Gutes tun möchte). Ruf dir in Erinnerung, was dein Ziel ist und warum dir überessen nicht gut tun wird und dann hör einfach auf. Umso öfter du das praktizierst, desto stärker verankert sich dieser Ablauf in deinem Unterbewusstsein und deine Gewohnheiten verändern sich. Man muss nur anfangen und ein bisschen dran bleiben. Heute überesse ich mich fast gar nicht mehr, weil mir mein Körper ein so starkes Signal schickt, dass mir fast schlecht wird, wenn ich an den nächsten Löffel vom Essen denke. Nur esse ich jetzt normale Portionen und keine Berge mehr, bis die Bremse kommt. Probieren geht über Studieren!
        Ich wünsche dir viel Erfolg.
        Liebe Grüße, Jenny

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