Intuitiv Essen • Teil 5: Essen, was der Körper verlangt

Unbenannt

Diesen schlauen Spruch kennen wir sonst nur in anderer Reihenfolge, jedoch halte ich ihn in dieser Version für viel aussagekräftiger.
Er bedeutet: Jeder Körper ist und isst anders. Jeder Körper braucht „seine“ persönliche Nahrung. Ausgehend vom Fingerabdruck ist uns schon längst bekannt, dass jeder Mensch ein Unikat ist. Warum sollte also die von Ernährungsberatern und Gesundheitsgurus propagierte genau gleiche Ernährungsweise für jeden Menschen gesund sein? Wie können wir einfach davon ausgehen, dass jeder Körper gleich funktioniert, wenn wir doch offensichtlich alle verschieden sind?
Wir unterscheiden uns in Größe, Form, Bewegung, Vorlieben, Umgebung,  Vorgeschichte, Gewohnheiten, Wohnort usw. vom jeweils anderen.

Wir sind individuelle Wesen, und genauso individuell wie unser Lebensstil sollte auch unsere Ernährungsweise sein dürfen.

Und nun folgt ein Thema, über das man ganze Bücher schreiben kann und das bisher so wenig erforscht ist, dass es eigentlich peinlich ist:

Die somatische Intelligenz.
Das Wissen des eigenen Körpers um den Wert und die Wirkung der Nahrung auf denselben.

Uhhh… das klingt spannend, nicht wahr? Irgendwie mystisch..
Und das ist es auch! Denn was in unserem Körper abläuft, bevor und während er den Wunsch ausspuckt: „Jetzt möchte ich ⇒Dingsda⇐ essen“, das können wir mit unserem Verstand alleine nicht erfassen. Es läuft – wie kann es auch anders sein – unterbewusst ab. Und das wird seine Gründe haben. Nahrungsaufnahme und -verwertung hat es schon vorher gegeben, da war noch lange keine Rede von Bewusstsein. Es ist ein Urtrieb und vermutlich so kompliziert, dass unser Verstand überfordert wäre, würde er bewusst jeden Schritt davon mitbekommen. Deshalb hat der Körper „entschieden“, dass es besser für uns ist, die genauen Zusammenhänge nicht bewusst zu erfahren. Das einzige, was wir vom Körper als Information erhalten ist eine Aufforderung:

„Iss heute⇒Dingsda⇐!“

Und das Beste kommt erst noch: Wenn wir dann das intuitiv erspürte, von unserem Körper gewünschte Lebensmittel zu uns nehmen, erhalten wir eine Belohnung. Positive Gefühle zum Beispiel: Freude, Zufriedenheit, Power!

Und darüber hinaus Selbstvertrauen, Genussfähigkeit, Hingabe, Leichtigkeit und so weiter…

Man kann sich das so vorstellen: Der Körper hat eine persönliche Karte angelegt, von jeglichen Dingen, die wir im Leben so gegessen haben.

Er bewertet:
Wie hat das Essen geschmeckt?
Was hielt es an Inhalt bereit?
Nahrhaft? Weniger nahrhaft?
War es in diesem Moment, als wir es gegessen haben gut oder weniger gut für uns? (was natürlich tagesformabhängig ist und für jeden Menschen unterschiedlich)
Wie war die Umgebung beim Essen? War es laut oder ruhig? War die Stimmung gut oder schlecht? usw.
Und weiter bewertet und berücksichtigt er die Nachwirkung des Essens:
Ist es mir gut bekommen? War ich energiegeladen? War ich müde?
Ist mir davon schlecht geworden?
Hatte ich Bauchweh?
etc.

Während wir nicht einmal mehr bewusst nachvollziehen können, was wir letzten Dienstag zum Mittag gegessen haben, hat der Körper also ein umfangreiches Bild für sich entwickelt, was passt und was nicht. All diese von ihm gesammelten Informationen – und das Obige ist vermutlich nur ein Anriss der gesamten Palette – speichert der Körper vermutlich gebündelt in Form von Gefühlen, genannt Lust oder Abneigung (Das ist noch nicht näher erforscht, wird aber angenommen). Diese werden jedenfalls urplötzlich ausgelöst, sobald man an etwas Essbares denkt oder es sieht. Jene Gefühle sollen nun dafür sorgen, dass wir das jeweilige Essen nun essen wollen oder eben nicht.

Und da jongliert der Körper, wie es ihm gerade so reinpasst.
Einmal ist eine Currywurst zu schwer oder ungünstig. Ein anderes Mal hat man unheimliche Lust, sich genau damit vollzustopfen. Das ist völlig normal.
Kein Essen ist für jeden Zweck gleich gut geeignet.
Und deshalb schmeckt ein und dasselbe Essen auch nicht immer gleich gut.

Schon einmal bemerkt, dass wenn man krank ist oder müde, einige Sachen intensiver oder weniger intensiv schmecken? Das liegt nicht nur an einer verschnupften Nase, sondern auch daran, dass der Körper es belohnt, wenn man etwas isst, was in seinem „Notzustand“ gerade super passt und er es ebenso ablehnt, wenn man etwas isst, was zusätzlich belastet.

Von der Ernährung in der Schwangerschaft will ich hier und heute nicht anfangen, aber auch an ihr lässt sich die somatische Intelligenz deutlich nachvollziehen. Dazu aber ein andernmal.
Das Thema insgesamt umfasst soviel Stoff, dass ich noch einige Beiträge darüber schreiben werde (müssen). Dies sollte nur ein kurzer Anriss des groben Ganzen sein.

Was heißt das nun aber praktisch für euch? Wie isst man nach seiner persönlichen Körperintelligenz? Wie nimmt man zu diesem unheimlichen Wesen Kontakt auf? Ok.. das klingt jetzt, als wäre es ein Alien.. naja. Ihr wisst schon, was ich meine.

Die Antwort lautet: Achtsamkeit (ja, schon wieder!) und Intuition (ja, auch schon wieder!)

Das sind die großen Säulen, an denen ihr euch jederzeit festklammern könnt im Umgang mit eurem Körper.
Wenn ihr am Anfang noch keinen Zugang zur somatischen Intelligenz habt, dann geht sämtliche Lebensmittel im Kopf durch, die euch einfallen und spürt in euch hinein. Stellt euch (innerlich) gezielt die Frage: „Habe ich heute Lust auf (z.B) Tomaten?“
Die Antwort folgt auf dem Fuße, intuitiv: Ja. Nein. Je nach Lust und Bedarf.

Und wenn die Antwort Ja lautet, dann ran an die Bouletten (..also nicht wörtlich gesprochen..), ich meine: Ran an die Tomaten! Denn wenn ihr in diesem Moment oder auch zeitlich etwas versetzt (d.h. innerhalb eines Tages oder manchmal sogar innerhalb der Woche) Tomaten (z.B.) esst, dann werdet ihr körperlich belohnt, seid zufrieden und sucht nicht nach etwas anderem, was euch sonst noch befriedigen könnte.

Und nun das Wunderbare: Der Kreis beginnt sich zu schließen.
Ihr seid entspannter, was das Essen angeht und findet zu eurer Intuition zurück, könnt somit besser mit eurem Körper kommunizieren und dieser wird euch nach und nach freiwilliger und selbstbewusster „sagen“, was er braucht.
Denn der Körper hat ein genaues Muster gelernt, was er in welcher Menge zu welchen Bedingungen und zu welcher Zeit braucht. Wir müssen lediglich lernen, auf ihn zu hören, mit ihm zu arbeiten und zu vertrauen.

Wenn euch zu diesem Thema noch Fragen auf der Seele brennen, dann immer her damit. Gerne in den Kommentaren oder per E-Mail.
Ansonsten bis zum nächsten Beitrag! Bis bald!

Zwei gut lesbare Bücher, die ich als Einstieg zum Thema empfehlen kann verlinke ich hier:

¹Thomas Frankenbach: „Somatische Intelligenz – Hören, was der Körper braucht“
(mein derzeitiger Favorit)
http://www.amazon.de/Somatische-Intelligenz-H%C3%B6ren-K%C3%B6rper-braucht/dp/3867282498

²Uwe Knop: „Hunger und Lust – Das erste Buch zur kulinarischen Körperintelligenz“
http://www.amazon.de/HUNGER-LUST-erste-Kulinarischen-K%C3%B6rperintelligenz/dp/3839175291

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8 Gedanken zu “Intuitiv Essen • Teil 5: Essen, was der Körper verlangt

  1. Ich denke das auch schon jahrelang. Mir fällt das auch leicht, weil ich mit dem aufgewachsen bin, was man wohl gute Hausmannskost nennt. Ich frage mich, ob das funktioniert und wenn ja wie gut, wenn man mit lauter Fertiggedöns aufgewachsen ist.
    Interessant in dem Zusammenhang ist ja auch, dass unser Darm sich ja auch was bei uns zu Essen „bestellt“. Isst jemand häufig Süßes, ist auch die Darmflora darauf ausgelegt und will Nachschub. Das kann man gezielt verändern, dauert aber seine Zeit, bis die anderen Darmbakterien in der Überzahl sind. So oder ähnlich gelesen bei „Darm mit
    Charme“ von Giulia Enders.

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    • Hallo,
      ich hab Darm mit Charme auch gelesen, allerdings mich darüber auch noch weiter informiert (ist ja ein noch nicht voll erforschtes Themengebiet – spannend!^^)
      Leider ist es nicht so, dass man seine Darmflora komplett umstellen kann, dh. das ein komplett anderer Darmtyp rauskommt. Denn was wir verdauen wollen und können liegt zum großen Teil in unseren Genen. D.h. der Darmtyp wird wohl auch von den Genen gesteuert. Was man allerdings machen kann ist, durch eine vielfältige Ernährung die Bakterienvielfalt erhöhen, was sich dann günstig auf den Organismus auswirkt. Folgt man dem intuitiven Essen wird das allerdings von allein passieren, da kein Körper immer nur das selbe Essen verlangen wird. Er wird Vielfalt wollen. Und jeden Tag Fertigpizza, das hängt einem dann zum Hals raus.
      Wenn man nur mit Fertigzeugs aufgewachsen ist, dann ist es ja kein Problem, auch mal was neues auszuprobieren, um dem Körper ab und zu einen anderen Einblick zu liefern. Ich denke, das liegt in der Verantwortung jedes einzelnen.

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  2. Hi Jenny, schöner Beitrag! Ich bin von dem Konzept Intuitiv essen voll uns ganz überzeugt, doch manchmal ist es nicht so alltagstauglich wenn man z.B mit der Familie isst und man gerade nicht darauf Lust hat was die anderen essen möchten. Extra kochen ist dann manchmal anstrengend aber anders ist es wohl nicht voll umsetzbar. LG Melli

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    • Hallo liebe Melli!
      Vielen Dank erst einmal 🙂
      Nun zu deiner Frage: Das Konzept des intuitiven Essens lautet: natürliches Essverhalten. Das heißt, wenn man mit der Familie isst und diese etwas anderes essen wollen, als man selbst, dann kommt man in einen inneren Konflikt, da das Prinzip heißt: Iss, worauf du Lust hast. Der Punkt ist allerdings der: Du MUSST nicht zwangsläufig IMMER deinen Gelüsten sofort nachgehen. Es ist eine grobe Richtlinie, kein GEBOT. Dann wären wir ja bei der Iss-nur-das-worauf-du-Lust-hast-Diät. Das ist nicht gemeint. Wichtig ist immer nur das gesamte Essverhalten (z.b. monatlich betrachtet), nicht das einzelne (z.B. täglich).
      Zurück zur Situation mit der Familie: Wenn du merkst, die anderen essen etwas, was dir gar nicht passt (weil du es nicht magst), dann musst du ihnen das auf jeden Fall sagen, keiner wird dich etwas essen lassen wollen, was dir nicht schmeckt. Aber wenn es nur so ist, dass du keinen richtigen Hunger hast und du aber in den nächsten Stunden nichts anderes bekommen kannst, als das, was auf dem Tisch steht, dann würde ich mitessen, soviel, bis ich satt bin. Das ist doch nicht schlimm. Wenn du eigentlich Lust auf etwas anderes hast, dann kannst du das am nächsten Tag auch noch essen. Es geht nicht darum, sich immer gleich das reinzuordern, was man essen will, sondern um einen entspannten Umgang mit dem Essen selbst. Wenn man nach deinem Vorschlag anfängt, gleich was anderes für sich zu kochen, dann ist der Umgang mit dem Essen nicht mehr entspannt. Entspannung geht immer vor!
      Das ist eben das tolle am intuitiven Essen. Ich finde, alltagstauglicher geht es nicht.

      Gefällt 1 Person

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